INNOVATION NAVIGATOR

Tiefes Innovationswissen aus der Praxis vom verrocchio Institute

Inhaltsverzeichnis

Innovation messen – die wichtigsten Kennzahlen

Wozu sind Innovationskennzahlen wichtig?

Häufig stehen Innovationsmanager vor der Herausforderung, dass sie Kennzahlen entwickeln müssen. Diese sollten dem Management eine Rückmeldung zum Erfolg der Innovationsarbeit geben und mögliche Risiken zeigen.

Es gibt mehrere gute Gründe für die Entwicklung von Kennzahlen oder KPI’s (Key Performance Indicators). :

  • Strategische Ausrichtung: Innovationskennzahlen helfen dabei, sicherzustellen, daß der Aufwand für Innovation in Einklang mit den strategischen Zielen des Unternehmens steht.
  • Bewertung des Forschritts: Ohne konkrete Kennzahlen ist es schwierig, den Fortschritt und Erfolg von Innovationsaktivitäten zu messen.
  • Risikomanagement: Häufig sind Innovationsprojekte mit größeren Risiken verbunden. Kennzahlen können dabei helfen, diese Risiken zu steuern und sichtbar zu machen
  • Innovationskultur sichtbar machen: Kennzahlen können dazu beitragen, eine Kultur zu schaffen, in der Innovation als wichtiger Teil der Unternehmensidentität gesehen wird

Herausforderungen bei der Entwicklung von Innovationskennzahlen

Innovation ist per Definition etwas Neues und oft qualitativer Natur, was ihre Quantifizierung und Integration in bestehende Managementsysteme schwierig macht. Die Herausforderung besteht darin, geeignete Kennzahlen zu finden, die sowohl den Prozess als auch das Ergebnis von Innovationen messen und dabei nicht selber zum Innovationshemmnis werden. Zu starre oder unangemessene Kennzahlen können kreatives Denken und Risikobereitschaft einschränken. Daher ist es wichtig, Kennzahlen zu entwickeln, die Innovation fördern und nicht behindern.

Unternehmen müssen nicht nur Produktinnovationen, sondern auch Prozess-, Dienstleistungs- und Geschäftsmodellinnovationen berücksichtigen. Kennzahlen, die diese verschiedenen Innovationsarten abdecken sind schwierig zu entwickeln.

Wir nutzen im verrocchio Institute häufig Methoden wie das Innovation Performance Radar, wenn es darum geht die Innovationsleistung der gesamten Organisation (Unternehmen, Bereich, Team) besprechbar zu machen. Hier geht es nicht darum quantitative und vergleichende Benchmarks zu entwickeln, sondern vielmehr um die Herstellung von Klarheit im Team über Schwachpunkte und Verbesserungsmöglichkeiten der Innovationsleistung.

Klassische Innovationskennzahlen

Es gibt eine Reihe von Kennzahlen, die sich immer wieder bei Unternehmen finden. Dazu habe ich die jeweiligen Vor-und Nachteile beschrieben:

Innovation messen - die wichtigsten Kennzahlen
  • Umsatzanteil aus neuen Produkten/Dienstleistungen
    Beschreibung: Der Prozentsatz des Gesamtumsatzes, der durch Produkte oder Dienstleistungen generiert wird, die innerhalb eines bestimmten Zeitraums (z.B. in den letzten drei Jahren) eingeführt wurden.
    Vorteil: Misst direkt, wie erfolgreich neue Produkte am Markt sind.
    Nachteil: Fokussiert nur auf kurzfristige Marktperformance und berücksichtigt nicht langfristige Innovationspotenziale.
  • Return on Innovation Investment (ROI2)
    Beschreibung: Eine finanzielle Kennzahl, die das Verhältnis zwischen dem Gewinn aus Innovationsaktivitäten und den dafür aufgewendeten Investitionen misst.
    Vorteil: Misst die finanzielle Effizienz von Innovationsausgaben.
    Nachteil: Kann kurzfristige Sichtweise fördern und langfristige Innovationsvorteile übersehen.
  • Time-to-Market
    Beschreibung: Die Zeitspanne von der Ideengenerierung bis zur Markteinführung eines neuen Produkts oder einer Dienstleistung.
    Vorteil: Misst die Geschwindigkeit von der Idee bis zur Markteinführung, ein Indikator für Agilität und Effizienz.
    Nachteil: Berücksichtigt nicht die Qualität oder den Markterfolg der Innovation.
  • Anzahl der Patentanmeldungen
    Beschreibung: Zählt, wie viele Patente ein Unternehmen innerhalb eines bestimmten Zeitraums angemeldet hat, was ein Indikator für Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten ist.
    Vorteil: Quantitativer Indikator für das Ausmaß der Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten.
    Nachteil: Nicht alle Patente sind wirtschaftlich wertvoll oder führen zu marktfähigen Produkten.
  • Anzahl der eingereichten Ideen
    Beschreibung: Misst die Anzahl der von Mitarbeitern oder externen Partnern für Innovationsprojekte eingereichten Ideen.
    Vorteil: Zeigt das Ausmaß der Mitarbeiterbeteiligung und das kreative Potenzial im Unternehmen.
    Nachteil: Quantität sagt nichts über die Qualität oder Umsetzbarkeit der Ideen aus.

Innovationskultur messen

Eine wichtige Aufgabe eines Innovationsmanagers ist oft die Verbesserung der Innovationskultur im Unternehmen, hier ist der Erfolg von Maßnahmen oft nur schwer messbar, da viele qualitative Faktoren eine Rolle spielen. Trotzdem gibt es eine Reihe von Kennzahlen, die (vor allem über einen längeren Zeitraum gemessen) eine Idee über die Wirksamkeit von Maßnahmen geben:

  • Mitarbeiterbeteiligung an Innovationsaktivitäten
    Beschreibung: Misst den Anteil der Mitarbeiter, die aktiv an Innovationsprozessen teilnehmen, z.B. durch das Einreichen von Ideen oder die Teilnahme an Innovationsworkshop
    Vorteil: Zeigt das Engagement und die Einbindung der Mitarbeiter in die Innovationsprozesse
    Nachteil: Misst nur die Beteiligung, nicht die Qualität der Beiträge oder deren Umsetzung.
  • Interne Innovationsrate
    Beschreibung: Prozentsatz der intern entwickelten und umgesetzten Innovationen im Vergleich zu extern erworbenen
    Vorteil: Zeigt das Ausmaß der internen Innovationsfähigkeit und -aktivität.
    Nachteil: Kann externe Innovationsquellen und Kooperationen unterbewerten, bei einigen Projekten fällt die Differenzierung zwischen externen und internen Entwicklungen schwer
  • Investitionen in Mitarbeiterentwicklung und -training
    Beschreibung: Finanzielle und zeitliche Ressourcen, die für die Förderung von Kreativität, kritischem Denken und Innovationskompetenzen der Mitarbeiter aufgewendet wie z.B. die Ausbildung zum Innovation Professional.
    Vorteil: Indiziert die Bereitschaft des Unternehmens, in die Entwicklung einer innovationsfördernden Belegschaft zu investieren, macht einen Vergleich mit der Entwicklung von anderen Fähigkeiten möglich
    Nachteil: Direkte Auswirkungen auf die Innovationsleistung sind schwer zu messen, da diese auch von anderen Faktoren abhängen

Messung der Qualität von Innovationsprojekten

Innovationsprojekte miteinander zu vergleichen ist sinnvoll, um die Qualität der Prozesse und Arbeitsschritte auf den Prüfstand. Wichtig ist hier die Auswahl der richtigen Kennzahlen, da Projekte oft sehr unterschiedlich gestaltet sind z.B. im Bezug auf Scope und Größe. In unserer Arbeit im verrocchio Institute nutzen wir oft das Project Value Radar. Dies ist kein klassisches KPI-Werkzeug, da es den Fokus nicht auf quantitative Benchmarks setzt, vielmehr ist eine Methode, um im Team die eigene Innovationsperformance zu diskutieren und Projekte vergleichbar zu machen.

Weitere Kennzahlen zur Messung von Innovationsprojekten:

  • Innovationsgrad
    Beschreibung: Misst, wie sehr das Projekt von bestehenden Produkten, Dienstleistungen oder Prozessen abweicht. Unterscheidet dabei zwischen disruptiven (radikalen) und schrittweisen (inkrementellen) Innovationen.
    Vorteil: Hilft, die Art der Innovation zu verstehen und zu bewerten. Wenn die Innovationsart in der Strategie verankert ist, lassen sich dadurch klarere Projektaussagen treffen
    Nachteil: Subjektive Einschätzung; radikale Innovationen sind nicht immer erfolgreicher als inkrementelle.
  • Markterfolg
    Beschreibung: Beinhaltet Kennzahlen wie Marktanteil, Kundenfeedback oder Verkaufszahlen der neuen Produkte/Dienstleistungen.
    Vorteil: Gibt direkten Einblick in den Erfolg eines neue Entwicklung Produktes oder einer Dienstleistung
    Nachteil: Der Markterfolg wird in der Regel auch von externen Faktoren beeinflusst, die nichts mit der Innovationsarbeit selbst zu tun haben (z.B. Marketingausgaben)
  • Entwicklungskosten
    Beschreibung: Die Gesamtkosten, die für die Entwicklung eines neuen Produkts oder einer neuen Dienstleistung aufgewendet wurden. Bietet einen Vergleich der Kosteneffizienz zwischen verschiedenen Projekten
    Vorteil: Erlaubt einen Vergleich der finanziellen Effizienz zwischen Projekten.
    Nachteil: Komplexere oder wertvollere Innovationsprojekte erfordern oft höhere Kosten. Ohne Berücksichtigung des Innovationspotenzials eines Projektes ist eine Bewertung anhand dieser Kennzahl eher schwierig.

geschrieben vonChristian Buchholz